Interessanter Vortrag am Uniklinikum Leipzig

Gemeinsam mit der Ergotherapeutin Sandra Moths referierte Prof. Dr. Bielitz am 11.4.2018 über die Bedeutung der Ergotherapie in der Sozialpsychiatrie.

Die Bedeutung der Ergotherapie in der Sozialpsychiatrie - eine Zusammenfasuung

Prof. Dr. med. Christoph Bielitz, Inhaber der b5-Privatpraxis für Psychologische Medizin referierte mit der kooperierenden selbständigen Ergotherapeutin Sandra Moths aus Leipzig am 11.04.2018 zur Bedeutung der Ergotherapie in der Sozialpsychiatrie. Zielgruppe des sozialpsychiatrischen Kolloquiums im Hörsaal waren Ärzte, Ergotherapeuten und Psychologen. Nachdem Prof. Bielitz zu den Grundlagen der Sozialpsychiatrie referierte, machte er noch einen kurzen Schwenk zur Historie. Interessant war dabei, dass bereits im ausklingenden 18. Jahrhundert erste Bemühungen zur institutionalisierten Betreuung psychisch Kranker in Europa begannen und zwar im sogenannten „mad house“. Dem folgte dann die Bezeichnung „the retreat“, als ein Haus des Rückzugsortes. In diese Zeit fiel auch die Begrifflichkeit „moralische Therapie“. Die Praxis der moralischen Behandlung führte anfänglich auch Vorstellungen zur körperlichen Ebene und Behandlungsverfahren, wie geregelte Mahlzeiten, ausreichende Erholung, gemächliche Bewegung, Schlafhygiene und Medikamente zusammen. Mit „moralisch“ meinte man damals Kultus, Sitte, Gewohnheit, Brauch, den Glauben an die Wirksamkeit von Erziehung, Erholung und menschliche Güte.

Prof. Bielitz unterstrich dann, dass diese Ansätze doch sehr an heutige Vorstellungen von der so genannten Ganzheitlichkeit erinnern. Dieser Begriff greife zwar längst um sich, sei aber kritisch zu hinterfragen, weil die knappen Ressourcen im Gesundheitswesen durchaus zusätzlich indizierte Behandlungsverfahren, die der Mehrdimensionalität des Menschseins Rechnung tragen, nicht immer erlauben. Hier spannte Prof. Bielitz den Bogen zur Modifikation der praktischen Psychiatrie der letzten Jahrzehnte. Diese seien dominiert von etlichen Fortschritten in der Pharmakologie und bezüglich der Erkenntnis und Integration, dass Achtsamkeit und Entspannungsverfahren wirksame Bestandteile einer gelingenden  Therapie sind. Allerdings sparte Prof. Bielitz auch nicht mit Kritik. So sei zu beobachten, dass die Achtsamkeitsverfahren bisweilen überbordendes Gewicht erhalten und den aktivierenden Verfahren wie Ergo- und Bewegungstherapie immer noch zu wenig Bedeutung beigemessen wird, obwohl die Wirksamkeitsnachweise längst geführt sind. Gerade in jüngerer Vergangenheit wurde mehrfach nachgewiesen, dass die letztgenannten Verfahren in der Behandlung von psychischen Erkrankungen eine immense Bedeutung haben, weil sie hochwirksam sind. Es müsse demnach deutlich mehr und konsequent Bewegung und Ergotherapie integriert werden, zudem sei es erforderlich, dass im Handlungsdialog Patienten begleitend aktiviert werden. Was einfach klinge, sei genau da das Beschwerliche für Patienten - aber auch für das therapeutische Team. Es gehe darum, die Aktivierung im psychotherapeutischen Prozess nicht nur vorzubereiten sondern auch umzusetzen. Dabei müssen Patienten - aber auch mitunter Therapeuten - Hemmungen, Widerstände und Ängste vor der vermeintlichen Überforderung überwinden. Dabei kann Ergotherapie hervorragend helfen, die Aktivitäten auszubauen.

Die in Leipzig selbständige Ergotherapeutin Sandra Moths griff genau dies auf. In einem lebendigen Vortrag illustrierte sie ihre praktische Arbeit. Inhalt des Vortrages waren zum einen der allgemeine Wandel und die Rolle der Ergotherapie, sowie die therapeutischen Möglichkeiten bei der Behandlung psychisch erkrankter Menschen. In der Ergotherapie ist der arbeitstherapeutische Bereich schon längst nicht mehr die einzige Behandlungsform derer sich die Therapeuten bedienen. Ein weites Spektrum an Weiterbildungen ermöglicht eine Spezialisierung im psycho-sozialen Bereich und eröffnet viele verschiedene Behandlungsansätze. Die Ergotherapeutin und auf Schmerztherapie spezialisierte Sandra Moths hat sich somit in ihrer Praxis mit der Behandlung von psychosomatisch behandlungsbedürftigen Patienten einen Namen gemacht. Der Zusammenhang von Körper und Geist, Haltung und Aktivitätsniveau spielt ihrer Meinung nach eine wesentliche Rolle bei der Behandlung von psychischen Erkrankungen v.a. bei Patienten mit begleitenden Schmerzstörungen. Mehrjährige Erfahrung zeigen, dass sich  allein durch eine bessere Körperhaltung und eine verbesserte Körperwahrnehmung in Zusammenarbeit mit klassischer Psychotherapie eine überraschend schnelle Verbesserung der Symptomatik einstellen kann. Zudem werden durch alltagsbegleitende Maßnahmen die Patienten motiviert und aktiviert. Damit sind z.B. Einkäufe, Wäschemachen und Besorgungen jedweder Art gemeint. Der Beruf des Ergotherapeuten ist aus ihrer Sicht in der heutigen Psychiatrie nicht mehr wegzudenken.

 

Referate: Prof. Bielitz und Sandra Moths 

Ort: Universitätsklinik Leipzig, Liebigstraße 

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